iterationen//erstgewesen
iterationen//erstgewesen zurück zu erstgewesen.com// archiv// impressum// kontakt datenschutz

Year of Anchorage in journal,

[Das Grundkonzept eines yearly theme ist altbekannt, ich folge hier vor allem Myke Hurley und CPG Grey vom Cortex Podcast.]

Nach einem Year of Pattern, in dem ich meine Routinen fokussiert war und einem Year of Building (shit up), in dem es darum ging, diese Routinen nachhaltig zu etablieren – was aufgrund der allgemeinen 2020-ness of it all nur mäßig geklappt hat, will ich ich heuer irgendwo landen.

Einerseits soll das im Berufsleben ein möglichst regelmäßiges und festes Arbeiten möglichst an einem Theaterhaus im Gegensatz zur löchrigen Tätigkeit in freien Produktionen sein. Andererseits möchte ich hier und auch in anderen Aspekten weiter an den patterns schrauben und auf dieser Basis ein stabiles Dasein aufstapeln.

Eine erste Idee war Year of Finding Footing, das hatte aber neben der tonalen Dissonanz auch inhaltlich nur die halbe Münze in sich. Irgendwo während des Herumrollens im Kopf fand ich dann das Ankern als Aktionswort und blieb daran hängen.



reading list 2020 in journal,

Zum ersten Mal habe ich ein volles Jahr durch „Buch geführt“ darüber, was ich gelesen habe. 32 Bücher angefangen und fertig gelesen im abgelaufenen Jahr. Mehr als in vielen davor, weniger als ich mir im März eingeredet hatte.

Einige waren Rereads, das meiste stand viel zu lange im Bücherregal und bei Moby Dick gab ich auch bei diesem Versuch nach den ersten zweihundert Seiten auf, war mir dann aber eine Weile lang als Hörbuch Begleiterscheinung meiner vermehrten Spaziergangsroutine. November ging gänzlich für den vierten oder fünften Anlauf auf 2666. Nachdem ich das Buch mit mir von Wohnort zu Wohnort gebracht habe, seit das englische Paperback rausgekommen ist und nie über den ersten Teil hinausgekommen bin, versuchte ich es nochmal. Immerhin schreibt Patti Smith nur in höchsten Tönen über das Ding. Und diesmal bin ich dran geblieben. In der Mitte war es immer wieder sehr anstrengend, aber es war eine sehr effektive Anstrengung. Ich verstehe immer noch nicht ganz, warum es Patti Smith so wichtig zu sein scheint, aber ich sehe, wieso es in seiner ewigen Dichte ein gutes Leitwerk gibt.

Meine Favoriten waren/sind:

  • Weather von Jenny Offill => Das Buch, das, obwohl und weil es als Reaktion auf die Trump-Wahl und nicht dessen Präsidentschaft und erst recht nicht auf eine weltweite Pandemie geschrieben worden ist, funktional eine sprachliche Reaktion auf das vergangene Jahr war.
  • The Tradition von Jericho Brown => Der wohl stärkste Gedichtband, den ich bis jetzt gelesen habe.
  • Piranesi von Susanna Clarke => Architektur, leeres Museum zurückerlangt durch die Natur, Erfahrungs-/Erkundungsberichte, … also im Groben genau mein Shit. (In meinem Hinterkopf schwingen schon erste Notizen für eine possible Bühnenadaption herum.)

Was sich in vielen Bereichen schon etabliert hat, zeigt sich auch in meinem Leseverhalten. Um einen Rhythmus beizubehalten, brauche ich Routine und ich muss alles für mich dokumentieren. What else is new. Mal sehen, was sich heuer ausgeht, das flüchtige Ziel von einem Buch pro Woche sei hier mal in den Wind geworfen.

(mehr …)



ubiquitous live-ness in journal,

In diesen letzten Wochen merke ich: ich schaue wesentlich intensiver und regelmäßiger Livestreams.

Teilweise ist das natürlich den Produktionsumständen geschuldet. Große Teile der Video-Produktion, die meine normale Medienkonsumation ausmacht, ist aufgrund der Situation in ihren regulären Modalitäten – sprich Studios – nicht mehr möglich. Viele stellen deshalb temporär auf Livestreams von zu Hause um.

Solche Livestreams gab es schon zuvor und ich habe auch einige davon live mitverfolgt. De facto gab es für mich dabei allerdings kaum unterschied zu Video on demand. Mit der Einstellung körperlich-sozialer Kontakte wohne ich solchen Livestreams nun mit einer sehr gesteigerten Aufmerksamkeit bei. Vor einigen Tagen kam es soweit, dass zwei Streams parallel liefen.

Noch habe ich keine interessanten Schlüsse daraus, aber ich komme auf einen Begriff aus meiner Disziplin zurück: Präsenz. Hier draußen fehlt sie, also nimmt ihre Relevanz an anderen Orten der Versammlung zu. Vielleicht brauche ich jetzt Streams mit ihren Live-Chats, wo mir zuvor prerecorded videos reichten, weil sie temporär zumindest in Teilen die Funktionen der körperlich-sozialen übernehmen. Es wird sich weisen, ob Live-TV ebenfalls ein Comeback machen wird, für mich ist es immer noch nur ZIB und Tennis.

Das ist sicherlich kein neuer Gedanke.



iterationen: release note eines Denkraumes in journal,

Vor etwa zwei Jahren ging hier ein großes Redesign über die Bühne. Nach vielen Jahren mit einem relativ simplen 0815-Wordpress-Theme wollte ich weg von der Blog-Ästhetik. Das ist mir optisch damals ganz gut gelungen, strukturell kam ich allerdings aufgrund des zugrundeliegenden WP-backends nie wirklich von der „landing page mit neuesten Posts“ weg. Deshalb war ich von Beginn weg nie komplett zufrieden damit, was ich damals erstgewesen v2 titelte – intern, in meinem Kopf.

Nach mehreren Versuchen, diese Struktur innerhalb des Frameworks aufzubrechen, blieb ich mit meinen sehr geringen Kenntnissen des Codes immer wieder stecken, was die Erkenntnis zu Tage förderte, dass ich eben außerhalb des Frameworks basteln müsste. Mit dem Ergebnis, dass ich die letzten Wochen an einer komplett statischen Website gewerkt habe, die diese hier ablöst.

erstgewesen ist damit nun das, was ich vor zwei Jahren angestrebt hatte: Ein Portfolio meines Werkens, ein Knotenpunkt für alle meine Texte und sonstige (externe) Projekte. Ich habe mich sogar dazu durchgerungen, einige meiner Bilder abzufotografieren und einzubauen. Designtechnisch will ich hier die wunderbare Website von Craig Mod anführen, der vor allem seine vielen Essays präsentiert, das aber in einer sehr simplen und strukturkreativen Weise schafft. Das händische Schreiben von html-Seiten ging ganz gut vorwärts und mit der Zeit kamen die Automatismen, die sich mein dreizehnjähriges Selbst erarbeitet hatte, wieder.

Der/das Blog und das Design von v2 ist aber, wie ihr seht, immer noch hier. v2 gefällt mir immer noch sehr gut, für genau das, was es ist, ein/einen Blog. Und genau diese Funktion wird das hier in Zukunft einnehmen. Hier werden sich (hoffentlich) mit der Zeit journal-entries anhäufen, kurze Texte, Gedanken und Skizzen von Ideen. Nicht mehr Kurzgeschichten oder kulturtheoretische Essays, die haben ja jetzt einen Platz im Portfolio, wo ich sie sehr individuell in Szene setzen kann, wenn ich das möchte. Das hier soll – so der Plan – an eine ältere Blog-Tradition anschließen.

Aus diesen Gedanken heraus kommt auch der neue Name, samt subdomain. Iterationen deshalb, weil das hier eine neue Iteration einer alten, sich entwickelten Instanz ist, aber auch weil sich hier immer neue Iterationen von Gedanken finden werden. Eines meiner großen Themen, mit denen ich mich ständig auseinandersetze, ist die performative Wiederholung, loops und Schichtungen und Anhäufungen von Wissen. iterationen//erstgewesen stelle ich intensiver als zuvor in diesen Kontext, während sich erstgewesen mit v3 etwas herauszieht.

Blogs sind nach wie vor zentrale Knotenpunkte des Internets, wie ich finde. kottke.org ist nach wie vor eine meiner häufigst besuchten Seiten, auch in Zeitalter von social media und repositories wie reddit. Craig Mods Newsletter sind mit die einzigen Emails, auf die ich mich freue. Vor gefühlt einem Jahr löschte ich meinen Twitteraccount. Einen rss-reader verwende ich immer noch. Und wieviele Podcasts ich höre und wieder-höre, kann ich zu diesem Zeitpunkt gar nicht genau sagen.

Die aktuelle weltweite Situation hat das alles hier etwas beschleunigt, beide Seiten – erstgewesen und iterationen – brauchen bestimmt noch bugfixes und wohl auch Anpassungen im Layout. Aber iterationen gibt mir einen Ort, meine Gedanken auszuformulieren und auf sie zurückzukommen. Hier ist vielleicht auch die passende Stelle, um zu sagen: Nein, das hier hat keine Kommentarspalte mehr. Ich war mit dem Format von Blogkommentaren nie besonders glücklich, weil sie a) zu oft von diversen bots übernommen wurden und b) meistens zu keinem richtigen Austausch geführt haben. Ich freue mich über Kommentare per Email, aber nochviel mehr über pingbacks. Ich vermisse ja auch immer noch video replies auf youtube ca. 2008.



Referenz, Haut. Bühnenskizze in archiv,

Bühnenskizze zu „Referenz, Haut“, 2018.



Ad Monets Charing Cross Bridge in archiv,

Charing Cross Bridge, 1899-1902 hängt derzeit in einer soliden Monet-Ausstellung in der Wiener Albertina. Es ist das einzige Bild seiner Art in der Ausstellung. Ich bin stehen geblieben in meinem allgemeinen Ausstellung-movens, als ich es sah und ich bin stehengeblieben für gefühlt zwanzig bis dreißig Minuten. (mehr …)



Idee: supply lines in archiv,

Bevor der Ernst des Herbsts mich wieder in die Fänge bekommt (um nach dem Master Struktur zu haben, habe ich ein Philosophiestudium begonnen, oh Wunder), habe ich mich nochmal für einige Tage Sommer nach Frankreich verabschiedet. Gerade sitze ich in einem Café in Cahors gegenüber von Mirjam von kleinwahnsinn, am Wochenende bin ich dann in Bremen beim tdv.
Mit mir auf dieser Tour ist mein Fotoapparat. Und während ich die Bilder der letzten Woche durchschaute, kam mir eine Idee, die über die Tage mehr und mehr Form angenommen hat.

Ein Bildband, der sich mit Leitungen beschäftigt, die uns heute und gestern und morgen versorgen, vor allem mit Strom, ab und zu mit Wasser. Über die Jahre fand ich die Linien, die wir durch den Himmel und zwischen unseren Häusern ziehen, immer ein spannendes Motiv, weshalb sich eine ganze Menge von solchen Bildern angesammelt haben über verschiedene fotografische Medien verteilt.
Momentan denke ich an plusminus 40-50 Bilder, zu denen jeweils ein kurzer Text kommt. Das wären kurze Szenen, die in etablierter Manier zwischen Anekdote und theoretischen Gedanken changieren. In meinem Kopf heißt das ganze »supply lines« oder vielleicht auch »power lines«.
Redaktionelle Details stehen da erstmal hinten an, im Falle des Falles sagt mein aufgeregtes Projekthirn, dass das auch im Eigenverlag zu bewerkstelligen ist. Erstmal würde ich mich freuen, wenn ihr Input, Begeisterung oder kritische Stimmen zu der Idee hättet.



Social Medium: Anmerkungen zur Protokollnatur in archiv,

Einleitende Notiz: Der folgende Text hat als eine aktuelle Reaktion auf die Meldungen über Cambridge Analytica begonnen, ist aber über die letzten zwei Monate zu einer allgemeineren Bearbeitung von Grundsatzfragen zur Natur der sozialen Medien angewachsen. Nun geht dieser Anwuchs hin ins Allgemeine, so denke ich, halbwegs konform mit einer Bewegung im weiteren Diskurs. So hat schließlich die Debatte auch eine Befragung Mark Zuckerbergs im EU-Parlament hervorgebracht, auch die Existenzberechtigung der aktuellen Zustände wurde zunehmend in Frage gestellt. (Link: Facebook-Post von Michel Reimon, 22.5.2018) An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass ich wenig bis keine Kenntnisse über die technischen Aspekte auf Code-Ebene habe und sich der Text vor allem in einer kulturtheoretischen Perspektive verortet sieht. Die wenigen spezifischen technischen Forderungen, die formuliert werden, sollten daher wohl eher als Wünsche und Leerstellen verstanden werden.
Der Text ist mit Abstand der längste, den ich auf diesem Blog postete und da sich 2000+ Worte, wie ich weiß, nicht besonders gut für das Blog-Format anleihen, sind hier Links zu den einzelnen Abschnitten:

——————————————————————————————————————————————————-

(mehr …)



Icareae #12 in archiv,

Die Maschine bin ich und in mir ist der mechanische Rost der potentiellen Bewegtheit verstreut, daher das Rasseln. Jeder Versuch bringt das Rasseln, was ist Lernen und Übung und Besserlernen und Weiterinübungsein anderes als ein Mahlen des rasselnden Rosts in mir?

Menschen sind Versandungsmaschinen und wer Mensch will muss Aufstand muss Sturz. Der Baldachin, die Mustereinprägungsanstalt führt mich an der Hand an die Kante, an der der Mensch sich hochziehen kann, bis er Staub spukt.



Icareae #11 in archiv,

Dem modus operandi der schlimmsten Sturzsucht

ist ein Stopern in den Akt des Aufstehens gelegt.

Das Stürzen als zwischenmenschliche Zwischenzeitlichkeit//Zwangsneurose

bekennt das Aufstehen als poetisch-revolutionäres Kontinuum

bekennt das Aufstehen als Erkennen und Anwenden und Angewandterkanntsein

des eigenen Durch-den-Körper-hindurch-Greifens.

 

Das ist alles und hier müssen wir ansetzen.



früher
iterationen ist mein digitales journal.

Iterationen deshalb, weil das hier eine neue Iteration einer alten, sich entwickelten Instanz ist, aber auch weil sich hier immer neue Iterationen von Gedanken finden werden.