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Ad Monets Charing Cross Bridge archiv// Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Charing Cross Bridge, 1899-1902 hängt derzeit in einer soliden Monet-Ausstellung in der Wiener Albertina. Es ist das einzige Bild seiner Art in der Ausstellung. Ich bin stehen geblieben in meinem allgemeinen Ausstellung-movens, als ich es sah und ich bin stehengeblieben für gefühlt zwanzig bis dreißig Minuten.
Monet hat eine Vielzahl von Brücken gemalt, auch die Charing Cross Bridge in London selbst war ihm öfter ein Motiv. Aber jenes Bild, das er von 1899 und 1902 davon anfertigte, sticht aus all den anderen Brückenbildern heraus. Es hat eine Spur von Expression, die den anderen Werken des impressionistiscehn Großmeisters, dessen allgemeines Schaffen mir zu Großteilen weiter verschlossen bleibt, nicht eigen ist. Es ist schwierig, diese Expression zu artikulieren, ich greife also auf die Notizen, die ich während dieser gefühlten halben Stunde niederschrieb, zurück:

Es zeigt einen Moment, von Menschen in die menschenleere Natur gestellt, das Bild selbst ist ein Moment, der in dieser Leere übrig geblieben scheint. Dieser Moment hat eine spezielle Wahrheit ist, die mit der des dokumentierten Akt der Brücke auf Augenhöhe agieren kann.
Und ist das vielleicht gar eine viel nähere Definition einer Impression als der bloße Licht und Farbe einfangende bloße Eindruck, der mir immer näher an einer traumhaften Erinnerung scheint. Was unterscheidet sich hier denn überhaupt von einem Traum, die gegenständlichen Grenzen der Szene verliert sich am Rande der Wahrnehmung in einem unscharfen Nebel. Vielleicht ist es gerade dieser presente Imprint vergangener und gegenwärtiger Tätigkeit sowie das eingeschriebene Versprechen auf noch zu erwartende Aktion, die der Brücke, auch immer als ein Sinnbild (zwischen-)menschlicher Arbeit in die Leere der ruhenden Natur gebaut, noch Bewegt- und Belebtheit einhauchen werden.

iterationen ist mein digitales journal.

Iterationen deshalb, weil das hier eine neue Iteration einer alten, sich entwickelten Instanz ist, aber auch weil sich hier immer neue Iterationen von Gedanken finden werden.